Körper fit – Garten fit

Mit und nicht gegen die Natur gilt für Garten und Körper

Garten Fit mit Karl Ploberger und Toni Klein Shooting Foto: Neumayr/Leopold 24.09.2024

Zeige mir deinen Garten und ich sage Dir, wie fit du bist.“ Der Biogärtner der Nation, Karl Ploberger schlägt mit seinem neuesten Buch ein neues Kapitel auf: Körper und Garten haben viel mehr gemeinsam als man denkt. Das Wichtigste: Sowohl der Körper als auch der Garten wollen – im positiven Sinn – beachtet werden, man muss sich um sie kümmern, dann blühen sie auf.

Was beim Menschen die Muskeln sind, das ist im Garten die Planung. Die Ernährung ist im Garten die organische Düngung. Wie beim Menschen der Darm der Schlüssel fürs Wohlbefinden ist, ist das im Garten der Komposthaufen.

Die wichtigste Botschaft: ES GIBT KEINE PROBLEME, SONDERN NUR LÖSUNGEN! Leben à la carte hat den Biogärtner Karl Ploberger zum Interview gebeten:

Was haben Garteln und Fitness gemeinsam?
Mehr als man denkt, denn bei beiden geht es um das Wohlfühlen, die Ausgewogenheit und das positive Denken.

Wie kam es zu der ungewöhnlichen Partnerschaft von Garten und Köper? Z
eig mir deinen Garten und ich sag Dir, wie fit du bist. Bei den vielen Gartenbesuchen sehe ich oft, wo es „Problemzonen“ gibt. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die vieles verändern und oftmals das Garteln erleichtern. Mühsame Arbeiten sind meist nicht nötig, wenn man der Natur einfach mehr Freiheit lässt. Das Motto muss lauten: Mit der Natur und nicht gegen die Natur! Und genau so ist es mit dem Körper.

Was erwartet die Leser?
Fitness aus dem Alltag – vom Stiegenhaus als tägliches Workout bis zum Muskelaufbau mit Gießkannen. Je nach Kondition – einmal mehr, einmal weniger. Aber Schritt für Schritt immer mehr. Dazu viele kleine Tipps, die das Leben erleichtern. Ich denke hier zum Beispiel an das Mulchen, oder Boden bedecken. Wenn man beispielsweise den Rasenschnitt nicht wegbringt, sondern nutzt und den Boden in den Beeten oder unter Bäumen und Sträuchern bedeckt, muss man weniger Gießen und das Bodenleben wird aktiver. Das fördert das gesunde Wachstum der Pflanzen.

 

Garten Fit mit Karl Ploberger und Toni Klein Shooting Foto: Neumayr/Leopold 24.09.2024

Welche ersten Schritte sind die besten?
Wie heißt es so schön: Der beste Zeitpunkt einen Garten anzulegen ist – letztes Jahr gewesen. Denn dann erlebt man heute schon die großen Fortschritte. Aber trotzdem: besser sofort beginnen, denn es ist nie zu spät. Ob ein buntes Blumenbeet, wo bloß Samen in die Erde gestreut werden oder ein Obstbaum, der heute gepflanzt in den kommenden Jahren Ernte verspricht. Und wer noch nicht begonnen hat und meint es sei zu spät, soll sich an dieser Weisheit festhalten: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Das Zentrum für einen gesunden Körper und für einen perfekten Garten ist?
Der Darm des Gartens ist der Kompost. Der darf nirgendwo fehlen. Auch wenn manche glauben, dass damit viel Arbeit verbunden ist – das Gegenteil ist der Fall. Denn alles, was in Garten an Laub, Ästen oder Grünschnitt anfällt muss nicht weggebracht werden, sondern kann gleich vor Ort wieder zu Erde werden. Einfach aufschichten und den Rest macht die Natur. Und der Humus, der dann entsteht, ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Wachstum.

Was ist leichter – den Körper zu formen oder den Garten zu gestalten?
Ganz klare Antwort: Den Garten gestalten. Hier muss man sich nur ein wenig in der Natur umschauen und schon erkennt man die wichtigsten Grundregeln. Die richtige Pflanze für den passenden Standort. Freie Flächen schaffen, damit Licht und Luft zu den einzelnen Pflanzen kommt und dann die architektonischen Tipps beachten: Jeder Weg muss ein Ziel haben. Diese Blickachsen können aber auch bis außerhalb des Gartenareals führen. Vor allem dann, wenn man am Land lebt ist das Einbeziehen der umgebenden Landschaft ein Schlüssel für einen harmonischen Garten, der sich in die Gegend integriert. „Borrowed landscape“ – also geborgte Landschaft, nennen das die Engländer.

Ernährung – es gibt so viele Ratschläge! Beim Garten und beim Menschen!
Naturgemäß und möglichst regional – hier treffen sich Körper und Garten. Dünger ist der Schlüssel für eine gesundes Wachstum. Das ist einerseits der Kompost und wenn der zu wenig Nährstoffe liefert, sind es organische Dünger, wie Schafwollpellets oder Hornspäne oder auch Wurmhumus oder auch Mist von Rindern, Schafen oder Hühnern. Alle diese Dünger wirken meist langsam und bereiten dosiert und durch das Bodenleben aktiviert, die notwendigen Nährstoffe für die Pflanzen auf. Kunstdünger (vor allem wenn er falsch dosiert wird) dagegen wirkt abrupt und fördert ein unnatürliches Wachstum mit weichen Zellstrukturen, die ideale Basis für Krankheiten und Schädlinge.

Ohne Wasser kein Leben – und doch gibt es zwischen Garten und Körper Unterschiede…
Wasser – am besten Regenwasser – ist das Um und Auf für das Pflanzenwachstum. Jedenfalls bei den allermeisten Gewächsen, die in unseren Gärten stehen. Wüsten lassen wir einmal außen vor. Doch das richtige Dosieren ist das Um und Auf, denn nicht jeden Tag ein wenig Gießen lautet die Devise, sondern alle paar Tage eine intensive Versorgung mit dem kostbaren Nass ist richtig. 20 manchmal sogar bis zu 30 Liter pro Quadratmeter sind notwendig um den Boden optimal, bis in tiefere Schichten zu durchfeuchten. Bei Rasenflächen, Beeten oder auch bei Gehölzen ist das in einem extrem trockenen Sommer wichtig. Dann wurzeln die Pflanzen tief und überleben Hitzeperioden gut.

Die Vielfalt ist einer der Schlüssel zu einem erfolgreichen Wachsen und Gedeihen. Warum das?
Genau, je bunter und vielfältiger die Auswahl an Pflanzen erfolgt, desto einfacher wird die Pflege. Und desto weniger muss man sich um den Gesamteindruck Sorgen machen, denn fällt einmal eine Pflanze durch Krankheit oder Schädlinge aus, so stört das den Gesamteindruck nicht. Diese Vielfalt ist aber auch der Schlüssel für ein gesundes ökologisches Gleichgewicht, das sich langsam entwickelt. Schädlinge und Nützlinge halten sich in einem harmonisch angelegten Garten die Waage. Monokulturen dagegen sind der ideale Angriffsplatz für Probleme.

Garten Fit mit Karl Ploberger und Toni Klein Shooting Foto: Neumayr/Leopold 24.09.2024